10. Jan 2009
Holz bis nach Amerika
In der Uckermarkt verarbeitet die ROBETA Holz OHG heimische Baumstämme

Es gibt sie auch in Ostbrandenburg: erfolgreiche und kreative Mittelständler.
In einer Serie stellen wir zehn von ihnen vor. Sie sind die Preisträger des von der MOZ und der IHK Ostbrandenburg ausgelobten Wettbewerbs um den Zukunftspreis Ostbrandenburg. Heute Teil II: die ROBETA Holz OHG

von Boris Kruse

Milmersdorf (MOZ) Kaum irgendwo sonst in Deutschland gibt es so viel Wald wie in der Uckermark. In Milmersdorf ist das größte Sägewerk beheimatet, das von Ostdeutschen unabhängig geführt wird. Die drei Geschäftsführer Edgar Rockel (50), Rainer Benthin (46) und Ingo Tabbert (50) haben ihre Büroräume in einem eingeschossigen Bau. Das dominierende Baumaterial ist – wenig überraschend – Holz.
Im Konferenzraum dokumentieren gerahmte Fotografien an den Wänden die Unternehmensgeschichte. Eine Luftaufnahme des Betriebsgeländes, etwas weiter eine ältere Fotografie zweier junger Männer mit Arbeitskleidung: Rockel und Tabbert, noch zu DDR-Zeiten, posieren vor einer Sägeanlage. Darunter ein Spruch: „Wer an seine Vision glaubt, ist ein Träumer. Wer aus seiner Vision ein Geschäft macht, ist ein Unternehmer.“
Die drei Uckermärker kennen sich seit ihrer Jugend. Nach Feierabend haben die gelernten Forstwirte damals im Bekanntenkreis Arbeitsaufträge rund ums Holz erledigt, mit Sägekonstruktionen Marke Eigenbau. 1991 schließlich wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit und benannten die Firma nach den Anfangssilben ihrer Nachnamen ROBETA. Als GbR haben sie losgelegt, mittlerweile hat die Firma die Rechtsform einer OHG (Offene Handelsgesellschaft).
Bisweilen war es kompliziert, die Struktur des Betriebes der stetig wachsenden Größe anzupassen. Bis auf 26 Millionen Euro stieg der Jahresumsatz der ROBETA Holz OHG im Jahr 2007.
Eines hat sich nicht verändert: Auch im achtzehnten Betriebsjahr führen die drei Gründer gemeinsam das Unternehmen. Hilfreich dabei wird die klare Aufgabenteilung gewesen sein – Rockel ist für Vermarktung und Personal zuständig, Benthin betreut den Einkauf und die Rohstoffversorgung, Tabbert kümmert sich um Hofverwaltung, Technik und Produktion. Natürlich gebe es auch immer wieder Streit, aber:„Es gibt Leute, die können das regeln, und es gibt Leute, die können das nicht regeln“, kommentiert Benthin knapp.
Gegenwärtig schneiden die Sägeblätter der Firma bis zu 300.000 Festmeter Holz im Jahr. Bretter, Latten, Bohlen und Kanthölzer werden in allen erdenklichen Abmaßen gefertigt, außerdem wird das Holz mit Imprägnierungen veredelt. Gesägt wird mit der so genannten Spanertechnologie. In einem mehrstufigen Sägeprozess wird zunächst das abgerundete Außenbrett, die „Schwarte“, von den Baumstämmen abgetrennt (abgespant) und zu Pressholz zerhackt. Die entstehenden Hackschnitzel werden an die Papierindustrie sowie zur Weiterverarbeitung zu Holzpellets geliefert. Im nächsten Arbeitsschritt wird der Stamm komplett zersägt. Jedes einzelne Brett wird nach dem Sägen elektronisch gescannt und, wenn nötig, in einem weiteren Durchlauf mit einer präzisen Steuerung auf das gewünschte Kantenprofil hin gesägt.
Maximal 70 Meter Baum werden so pro Minute zersägt. Das Holz kommt von der Kiefer, der Fichte, der Lärche und der Douglasie – allesamt Nadelbäume, die in der Region anzutreffen sind. Zwei Drittel der Baumstämme werden mit dem unternehmenseigenen Fuhrpark aus einem Umkreis von ungefähr 100 Kilometern herangefahren, die restlichen Fuhren liefern Speditionen. Der regionale Bezug und ökologische Aspekte haben einen hohen Stellenwert bei der ROBETA. Das Unternehmen weiß sich dem Branchenerbe verpflichtet, denn schließlich wurde der Begriff „Nachhaltigkeit“ einst im 18. Jahrhundert in der Forstwirtschaft geprägt. Gemeint war damit schon damals, dass immer nur soviel Holz eingeschlagen werden darf, wie nachwachsen kann. Seit September des vergangenen Jahres erzeugt ein betriebseigenes Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung sowohl Strom als auch die Wärme zur Trocknung des Holzes. Als Brennstoff dient der Sägeabfall aus hauseigener Produktion. Das Resultat ist ein ökologisch und ökonomisch optimierter Verwertungskreislauf.
Frühzeitig setzten die drei Geschäftsführer auf die Ausbildung des unternehmenseigenen Nachwuchses. Bereits seit Mitte der 90er Jahre sind kontinuierlich um die zehn Azubis in dem Betrieb – angehende
Holzbearbeitungstechniker und Bürokaufleute. Bislang sind fast alle nach der Ausbildung übernommen worden. Der Altersdurchschnitt in der Firma beträgt 36 Jahre.
Ob in naher Zukunft noch weiterhin so viele „Eigengewächse“ nach ihrer Ausbildung eine Festanstellung erhalten, ist ungewiss. Die Finanzkrise setzt auch ROBETA zu. Die wichtigsten Abnehmer kommen aus der Bauindustrie und von Baumärkten. Einen beträchtlichen Anteil nehmen die USA ab. Insbesondere der Markt für Baustoffe ist dort aber als Folge der Immobilienkrise eingebrochen. Seit einigen Monaten drängen viele der europäischen Mitkonkurrenten, die vom US-Markt abhängig waren, in den deutschen Markt: Das verschärft die Situation für ROBETA. In guten Zeiten arbeiteten etwa 140 Angestellte im Betrieb. In diesem Jahr werden es 120 bis 130 sein.

Quelle: MOZ - 10./11. Januar 2009


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